Energie

Stromkosten senken in München: Was der Elektriker beitragen kann

Hand zieht einen Stecker aus der Steckdose, um Stromkosten zu senken, Ratgeber von Rucker Elektro München

Die üblichen Stromspartipps kennen Sie: Stecker ziehen, LED einsetzen, Deckel auf den Topf. Das steht in jedem Ratgeber, ist nicht falsch, und es bringt in einem durchschnittlichen Haushalt einen überschaubaren Betrag.

Interessanter wird es an einer Stelle, über die kaum jemand schreibt: Ein erheblicher Teil der Stromkosten hängt nicht am Verhalten, sondern an der Elektroinstallation selbst und an der Frage, ob Sie die heute verfügbaren Tarifmodelle überhaupt nutzen können. Genau da können wir als Elektrobetrieb etwas beitragen. Und genau da sagen wir Ihnen auch, wo sich eine Investition nicht lohnt.

Was wirklich Geld kostet, und was nur gefühlt

Bevor es an Maßnahmen geht, lohnt ein nüchterner Blick auf die Größenordnungen. In einem typischen Haushalt entfällt der weitaus größte Teil des Stromverbrauchs auf wenige Posten: Warmwasserbereitung, sofern sie elektrisch erfolgt, Kühlen und Gefrieren, Waschen und Trocknen sowie zunehmend Elektromobilität und Wärmepumpe.

Standby-Verbraucher und Beleuchtung sind heute deutlich kleinere Posten als noch vor zehn Jahren, weil Geräte sparsamer geworden sind und LED sich durchgesetzt hat. Wer seine Stromrechnung spürbar senken will, sollte deshalb nicht bei der Steckdosenleiste anfangen, sondern bei den großen Verbrauchern.

Ein Beispiel, das wir in Münchner Altbauten regelmäßig sehen: Ein alter elektrischer Warmwasserspeicher oder ein Durchlauferhitzer aus den Achtzigern verbraucht mehr als die gesamte Beleuchtung des Haushalts. Solche Geräte fallen nicht auf, weil sie unauffällig im Bad oder in der Küche hängen.

Was an der Elektroinstallation hängt

Ein Zähler, der die neuen Tarife nicht kann

Seit dem Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende hat sich die Zählerlandschaft verändert. Wer von zeitvariablen oder dynamischen Stromtarifen profitieren will, braucht eine moderne Messeinrichtung beziehungsweise ein intelligentes Messsystem. Ohne das nützt der günstigste Nachttarif nichts, weil schlicht niemand messen kann, wann Sie verbrauchen.

Ob Ihr Zählerplatz die neue Technik überhaupt aufnehmen kann, entscheidet sich am Zählerschrank. In vielen Münchner Bestandsgebäuden ist genau das der Engpass: Der Platz ist zu knapp, die Verdrahtung entspricht nicht mehr den Anschlussbedingungen, oder es fehlt der Raum für die zusätzlichen Komponenten. Dann führt der Weg über eine Zählerschrankmodernisierung. Was dabei zu beachten ist, haben wir im Beitrag zur Smart-Meter-Pflicht ausführlich beschrieben.

Reduzierte Netzentgelte nach Paragraf 14a EnWG

Wer eine Wallbox, eine Wärmepumpe oder einen Batteriespeicher betreibt, kann diese als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach Paragraf 14a EnWG anmelden. Der Netzbetreiber darf die Leistung dann in seltenen Spitzenzeiten reduzieren, im Gegenzug gibt es dauerhaft reduzierte Netzentgelte.

Das ist eine der wenigen Stellschrauben, an denen sich für Haushalte mit großen Verbrauchern wirklich etwas bewegt. Voraussetzung ist allerdings, dass die Anlage technisch und vertraglich richtig eingerichtet ist. Das ist keine Sache, die sich nachträglich per Anruf beim Versorger erledigen lässt, sondern gehört bei der Installation mitgedacht. Mehr dazu steht auf unserer Seite zur Wallbox-Installation.

Lastmanagement statt Netzausbau

Wenn mehrere große Verbraucher zusammenkommen, also etwa Wallbox, Wärmepumpe und Durchlauferhitzer, stellt sich schnell die Frage nach der Anschlussleistung. Ein sauber eingestelltes Lastmanagement verteilt die verfügbare Leistung so, dass der Hausanschluss nicht überlastet wird.

Der Kostenvorteil liegt weniger im Verbrauch als in der vermiedenen Investition: Ein Lastmanagement ist in aller Regel deutlich günstiger als eine Erhöhung der Anschlussleistung mit allem, was daran hängt.

Eine Anlage, die niemand versteht

Ein unterschätzter Punkt: In vielen Bestandsanlagen weiß niemand mehr, welcher Stromkreis was versorgt. Dann lässt sich auch nicht sinnvoll messen, wo der Verbrauch entsteht. Ein Stromkreisverzeichnis und eine saubere Beschriftung sind keine Sparmaßnahme im engeren Sinne, aber die Voraussetzung dafür, überhaupt gezielt ansetzen zu können.

Was sich lohnt, und was nicht

Aus unserer Praxis, offen gesagt:

Lohnt sich fast immer:

  • Alte elektrische Warmwasserbereitung überprüfen lassen. Hier stecken die größten Einzelposten.
  • Bei ohnehin anstehender Sanierung die Voraussetzungen für moderne Messtechnik mitschaffen.
  • Große Verbraucher nach Paragraf 14a anmelden, wenn Wallbox oder Wärmepumpe vorhanden sind.
  • Kühl- und Gefriergeräte prüfen, wenn sie älter als zehn bis fünfzehn Jahre sind.

Lohnt sich selten allein wegen der Stromkosten:

  • Eine Smart-Home-Installation, die ausschließlich mit Einsparung begründet wird. Automatisierte Heizungssteuerung und konsequente Beschattung können den Verbrauch senken, aber wie viel, hängt stark von Gebäude und Nutzung ab. Wer ein Smart Home primär wegen Komfort und Sicherheit möchte, trifft eine gute Entscheidung. Wer es als Sparmaßnahme rechnet, sollte vorher genau nachrechnen.
  • Der Austausch von Geräten, die noch gut funktionieren und wenig verbrauchen. Die Herstellung eines neuen Geräts muss sich erst amortisieren.

Kostet mehr, als es bringt:

  • Ein Zählerschrankumbau ausschließlich, um einen dynamischen Tarif nutzen zu können, ohne dass sonst ein Anlass besteht. Sinnvoll wird das, wenn ohnehin modernisiert wird oder eine Wallbox dazukommt.

Der Münchner Faktor

Zwei Dinge, die in bundesweiten Ratgebern fehlen:

Der Gebäudebestand. München hat viele Wohnungen aus einer Zeit, in der Warmwasser dezentral und elektrisch bereitet wurde. Diese Geräte sind der größte einzelne Hebel, und sie werden regelmäßig übersehen, weil sie einfach seit Jahrzehnten laufen.

Der Netzbetreiber. Im Stadtgebiet ist in der Regel die SWM Infrastruktur zuständig, im Landkreis häufig das Bayernwerk. Zuständigkeiten und Abläufe bei Zählertausch und Anmeldung steuerbarer Verbraucher unterscheiden sich, was für die Planung relevant ist.

Wo Sie anfangen sollten

Ein pragmatischer Weg, ohne dass gleich ein Handwerker kommen muss:

  1. Sehen Sie sich Ihre letzte Jahresabrechnung an. Kennen Sie Ihren Jahresverbrauch in Kilowattstunden?
  2. Prüfen Sie, wie Ihr Warmwasser erzeugt wird. Elektrisch oder über die Heizung? Falls elektrisch: Wie alt ist das Gerät?
  3. Sehen Sie in Ihren Zählerschrank. Steckt dort noch ein alter Ferraris-Zähler mit Drehscheibe, oder eine moderne digitale Messeinrichtung?
  4. Zählen Sie Ihre großen Verbraucher. Wallbox, Wärmepumpe, Klimagerät, Sauna, Durchlauferhitzer.

Mit diesen vier Antworten lässt sich schon am Telefon einschätzen, ob bei Ihnen an der Installation etwas zu holen ist oder ob die Stellschrauben eher bei Geräten und Tarif liegen. Fragen Sie uns, wir sagen Ihnen auch, wenn sich eine Maßnahme aus unserer Sicht nicht rechnet.

Häufig gestellte Fragen

Bringt ein Smart Home wirklich niedrigere Stromkosten?

Es kann, aber die Höhe hängt stark vom Gebäude und vom Nutzungsverhalten ab. Eine automatisierte Einzelraumregelung der Heizung und eine konsequente Beschattung wirken sich messbar aus, vor allem in schlecht gedämmten Gebäuden. Eine Amortisation allein über Stromkosten sollte man aber nicht voraussetzen. Komfort, Sicherheit und die spätere Erweiterbarkeit sind die belastbareren Argumente.

Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?

Er lohnt sich, wenn Sie einen erheblichen Teil Ihres Verbrauchs zeitlich verschieben können, typischerweise mit Wallbox, Wärmepumpe oder Batteriespeicher. Für einen Haushalt ohne solche Verbraucher ist das Sparpotenzial gering. Voraussetzung ist außerdem ein intelligentes Messsystem, und ob Ihr Zählerplatz das aufnehmen kann, entscheidet sich am Zählerschrank.

Was bringt Paragraf 14a EnWG konkret?

Wer Wallbox, Wärmepumpe oder Speicher als steuerbare Verbrauchseinrichtung anmeldet, erhält dauerhaft reduzierte Netzentgelte. Im Gegenzug darf der Netzbetreiber die Leistung in seltenen Netzengpässen begrenzen; abgeschaltet wird nicht, gedimmt schon. Für Haushalte mit großen Verbrauchern ist das eine der wirksamsten Stellschrauben überhaupt.

Wie erkenne ich, ob mein Zähler getauscht werden muss?

Ein alter Ferraris-Zähler mit sich drehender Scheibe wird im Rahmen des gesetzlichen Rollouts ohnehin ersetzt. Ob bei Ihnen zusätzlich der Zählerschrank angefasst werden muss, hängt vom Platz und vom Zustand der Anlage ab. Das lässt sich meist schon anhand eines Fotos des geöffneten Zählerschranks einschätzen.

Lohnt es sich, alte Elektrogeräte auszutauschen?

Bei Kühl- und Gefriergeräten, die älter als zehn bis fünfzehn Jahre sind, meistens ja, weil sie dauerhaft laufen und der Effizienzsprung groß ist. Bei Geräten, die selten laufen, rechnet sich ein Austausch allein über den Stromverbrauch selten. Der größte Einzelposten ist in vielen Münchner Altbauwohnungen ohnehin nicht das Küchengerät, sondern eine alte elektrische Warmwasserbereitung.

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