Sicherungskasten, Unterverteilung, Zählerschrank: was ist was?
Im Alltag heißt alles Sicherungskasten. Technisch sind es zwei Dinge, und der Unterschied entscheidet darüber, wer beteiligt ist und wie schnell es geht.
Der Zählerschrank ist die Schnittstelle zum Netzbetreiber. Dort sitzen Zähler und Hauptsicherung, dort hängt die Plombe, und Arbeiten daran werden bei der SWM Infrastruktur München angemeldet. Wer eine Wallbox oder Wärmepumpe anschließen will oder ein Smart Meter gesetzt bekommt, landet fast immer hier.
Die Unterverteilung steht dahinter und gehört zu Ihrer Anlage. Sie verteilt den Strom auf die einzelnen Stromkreise: Küche, Bad, Wohnzimmer, Außensteckdosen. Hier sitzen Leitungsschutzschalter und Fehlerstromschutzschalter. Wer mehr Stromkreise braucht, den FI nachrüsten will oder alte Schraubsicherungen loswerden möchte, ist hier richtig. Und weil kein Netzbetreiber beteiligt ist, hängt der Termin allein an Ihnen und uns.
Wann sich die Erneuerung wirklich lohnt
Nicht jede alte Verteilung muss raus. Es gibt aber Befunde, bei denen wir klar dazu raten:
- Schraubsicherungen statt Automaten. Sie lassen sich überbrücken, altern unbemerkt und lassen keine Aussage über die Auslösecharakteristik zu.
- Kein oder unvollständiger FI-Schutz. In vielen Wohnungen aus den 1960er bis 1980er Jahren fehlt er ganz oder deckt nur das Bad ab.
- Zu wenige Stromkreise. Wenn Küche und halbe Wohnung an einer Sicherung hängen, ist jede Nachrüstung eine Notlösung.
- Kein Platz mehr. Ohne freie Teilungseinheiten lässt sich weder ein Stromkreis ergänzen noch ein Überspannungsschutz nachrüsten.
- Fehlende Beschriftung. Wer im Störungsfall raten muss, welcher Automat wohin gehört, verliert Zeit an genau der falschen Stelle.
- Hitzespuren oder lose Klemmen. Verfärbungen an Klemmstellen gehören zeitnah geprüft, nicht beobachtet.
Wenn bei Ihnen gerade akut etwas ist, etwa Brandgeruch oder ein Schutzschalter, der sofort wieder auslöst, nutzen Sie den betroffenen Stromkreis bitte nicht weiter und melden Sie sich telefonisch. Erste Schritte zur Eingrenzung stehen in unserem Ratgeber Stromausfall im Haus.
Fehlerstromschutzschalter nachrüsten
Der FI ist die wirksamste Einzelmaßnahme gegen einen Stromschlag: Er trennt den Stromkreis, bevor der Strom über den Körper gefährlich wird. Für Bestandsanlagen gibt es keine Nachrüstpflicht allein wegen des Alters. Sobald aber Stromkreise geändert oder erweitert werden, gelten für den geänderten Teil die heutigen Anforderungen.
In der Praxis heißt das: Wer ohnehin die Verteilung anfasst, sollte den FI gleich mitnehmen. Welche Typen wo vorgeschrieben sind und was im Altbau gilt, erklären wir ausführlich im Ratgeber zur Fehlerstromschutzschalter-Pflicht.
Altbau in München: die typischen Ausgangslagen
Der Münchner Wohnungsbestand ist überschaubar in seinen Baujahren, und daran hängt fast immer, was wir in der Verteilung vorfinden.
In Altbauten vor 1950, wie sie in Haidhausen, der Isarvorstadt oder Teilen von Schwabing stehen, treffen wir häufig auf klassische Nullung ohne separaten Schutzleiter. Dort lässt sich ein FI-Schutzschalter nicht einfach nachrüsten, weil ihm die Bezugsgröße fehlt. Hier ist die Verteilung nur ein Teil der Aufgabe, die Leitungen gehören mit auf den Tisch.
In den Nachkriegsbauten der 1950er bis 1970er Jahre, die den Münchner Osten prägen, sind Schutzleiter meist vorhanden, aber die Stromkreise sind für die damalige Last ausgelegt: zwei bis drei für eine ganze Wohnung. Küche und Bad hängen oft zusammen. Das ist der häufigste Fall, in dem eine neue Unterverteilung allein schon spürbar etwas ändert.
Ab den 1980er Jahren ist der FI meist vorhanden, deckt aber häufig nur das Bad ab, weil das damals der Stand war. Hier geht es weniger um Sicherheit von Grund auf als um Erweiterung: zusätzliche Stromkreise, ein FI für die ganze Wohnung, Platz für Überspannungsschutz.
Welche dieser Lagen bei Ihnen vorliegt, sehen wir bei der Bestandsaufnahme in zwanzig Minuten. Für die Stadtteile rund um unseren Betrieb finden Sie eigene Seiten zu Trudering, Waldtrudering und Berg am Laim.
Wie viele Stromkreise braucht eine Wohnung wirklich?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht, aber eine Faustregel aus der Praxis: Getrennte Stromkreise gehören für Küche, Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner, Bad, Wohnräume und Beleuchtung. Wer eine Wallbox, eine Wärmepumpe oder eine Klimaanlage plant, braucht jeweils einen eigenen dazu.
Der Grund ist nicht nur Komfort. Hängen zu viele Verbraucher an einem Kreis, löst die Sicherung im Alltag aus, und irgendwann wird der falsche Weg gewählt: ein stärkerer Automat statt einer sauberen Aufteilung. Das verlagert das Problem von der Sicherung in die Leitung, und dort ist es gefährlich.
Bei der Planung legen wir deshalb nicht nur die Stromkreise fest, die Sie heute brauchen, sondern lassen Platz für zwei bis drei weitere. Teilungseinheiten im Schrank kosten beim Einbau fast nichts. Nachträglich einen zweiten Verteiler zu setzen, weil kein Platz mehr ist, kostet deutlich mehr.
Unterverteilung im Mehrparteienhaus
In Mehrparteienhäusern kommen zwei Dinge dazu. Erstens die Frage, wer zuständig ist: Die Verteilung in der Wohnung gehört in der Regel zum Sondereigentum, die Steigleitungen und der Zählerplatz zum Gemeinschaftseigentum. Wer nur seine Wohnungsverteilung erneuern lässt, braucht dafür meist keinen Beschluss der Eigentümergemeinschaft.
Zweitens die Reihenfolge. Wenn absehbar ist, dass die Steigleitung ohnehin erneuert wird, lohnt es sich, beides zu koordinieren. Wir sprechen das auf Wunsch direkt mit Ihrer Hausverwaltung ab. Wie wir mit Verwaltungen und WEGs arbeiten, steht unter Gewerbe und Hausverwaltungen.
Was Sie nach dem Umbau in der Hand haben
Eine erneuerte Verteilung ist erst fertig, wenn sie nachvollziehbar dokumentiert ist. Sie erhalten von uns ein Messprotokoll nach DIN VDE 0100-600 mit Schleifenimpedanz, Isolationswiderstand und Auslösezeiten sowie ein Stromkreisverzeichnis, in dem jeder Automat einem Raum und einem Verbraucher zugeordnet ist. Diese Unterlagen können Sie gegenüber Versicherern, Sachverständigen oder einem späteren Fachbetrieb vorlegen.
Wird die Verteilung im Rahmen einer größeren Sanierung erneuert, gehen wir sie meist zusammen mit den Leitungen an. Wie das abläuft, steht auf unserer Seite zur Elektroinstallation. Für Objekte mit mehreren Einheiten finden Sie die passenden Abläufe unter Gewerbe und Hausverwaltungen.