Das WLAN reicht nicht bis ins Arbeitszimmer, im Homeoffice bricht die Videokonferenz ab, und der Fernseher im Wohnzimmer puffert. In Münchner Altbauwohnungen ist das der Normalfall, nicht die Ausnahme. Der Grund liegt selten am Router, sondern an der Bausubstanz.
Wir installieren als Elektro-Meisterbetrieb in München regelmäßig Netzwerktechnik im Bestand. Dieser Beitrag erklärt, warum WLAN in Altbauten an Grenzen stößt, wann sich ein Netzwerkkabel wirklich lohnt und welche Lösung in welche Wohnung passt. Ohne Technikvorlesung, sondern aus der Praxis.
Warum das WLAN im Münchner Altbau schwächelt
Die typischen Gebäude in Schwabing, der Maxvorstadt, Haidhausen oder auch im Münchner Osten stammen aus einer Zeit, in der massiv gebaut wurde. Für Funk ist das ungünstig.
Dicke Wände. Tragende Ziegelwände mit 30 bis 40 Zentimetern Stärke dämpfen ein WLAN-Signal erheblich. Zwei solche Wände zwischen Router und Endgerät reichen oft aus, um aus einer guten Verbindung eine unbrauchbare zu machen.
Stahlbeton und Bewehrung. In Nachkriegsbauten und bei Deckendurchbrüchen wirkt die Stahlbewehrung wie ein Faradayscher Käfig. Über Etagen hinweg funkt es dadurch kaum.
Altbau-Grundrisse. Lange Flure mit vielen abgehenden Zimmern sind funktechnisch der ungünstigste Fall: Der Router steht meist dort, wo der Anschluss liegt, also im Flur oder im ersten Zimmer, und nicht dort, wo die Geräte stehen.
Dichte Nachbarschaft. In Münchner Mehrfamilienhäusern funken oft ein Dutzend Netze auf denselben Kanälen. Das 2,4-GHz-Band ist in vielen Häusern schlicht überfüllt.
Ein stärkerer Router löst diese Probleme nicht. Er sendet nur lauter in dieselben Wände.
Die drei Wege, und wann welcher passt
Netzwerkkabel: die stabile Lösung
Ein fest verlegtes Netzwerkkabel, üblicherweise Cat 6A, ist bei Stabilität, Bandbreite und Latenz allen Funklösungen überlegen. Es ist unempfindlich gegen Nachbarnetze, funktioniert unabhängig von der Wandstärke und ist auch in zehn Jahren noch schnell genug.
Sinnvoll ist die Verkabelung vor allem, wenn:
- ohnehin renoviert wird und Wände oder Böden offen sind
- ein Arbeitsplatz im Homeoffice zuverlässig laufen muss
- Fernseher, Konsole oder Netzwerkspeicher dauerhaft an einem Ort stehen
- WLAN-Zugangspunkte in mehreren Räumen versorgt werden sollen
Der letzte Punkt wird oft übersehen: Auch die beste Funklösung wird besser, wenn ihre Zugangspunkte per Kabel angebunden sind, statt sich das Signal gegenseitig weiterzureichen.
Der ehrliche Nachteil: Nachträglich verlegen heißt in der Regel stemmen. In einer bewohnten Altbauwohnung ist das Aufwand, Schmutz und je nach Leitungsweg auch Putz- und Malerarbeit. Deshalb prüfen wir immer zuerst, ob sich vorhandene Wege nutzen lassen, etwa Leerrohre, Kabelkanäle, Schächte oder der Weg über den Keller.
Mesh-WLAN: der pragmatische Kompromiss
Ein Mesh-System aus mehreren abgestimmten Zugangspunkten deckt eine Wohnung deutlich besser ab als ein einzelner Router. Es ist die richtige Wahl, wenn nicht gestemmt werden soll und die Anforderungen im Alltag liegen: surfen, streamen, Videokonferenzen.
Wichtig für die Praxis: Ein Mesh-System ist nur so gut wie die Verbindung zwischen seinen Knoten. Stehen zwei Knoten so, dass zwischen ihnen zwei Massivwände liegen, hilft auch Mesh wenig. Die beste Kombination im Altbau ist deshalb oft ein Mittelweg: Kabel bis zu einem zentralen Punkt, von dort per Funk weiter.
Powerline: die Notlösung mit Vorbehalt
Powerline überträgt Daten über die vorhandene Stromleitung. Das klingt nach der perfekten Altbaulösung, hat aber einen Haken, den man kennen sollte: Die Übertragung funktioniert zuverlässig vor allem innerhalb derselben Phase. In Altbauten mit gewachsener, unübersichtlicher Verteilung ist genau das oft nicht gegeben.
Dazu kommt, dass alte Leitungen, lange Wege und Störquellen wie Netzteile die Datenrate drücken. Powerline kann eine sinnvolle Überbrückung sein, etwa für einen einzelnen Raum, an den anders nicht heranzukommen ist. Als Grundlage für ein ganzes Wohnungsnetz würden wir es nicht empfehlen.
Was wir vor Ort tatsächlich prüfen
Bevor wir eine Lösung vorschlagen, sehen wir uns an:
- Wo der Hausanschluss liegt und wo der Router technisch stehen muss
- Welche Wege es gibt: vorhandene Leerrohre, Kabelkanäle, Schächte, der Weg über Keller oder Dachboden
- Wie die Verteilung aufgebaut ist, falls Powerline überhaupt in Frage kommt
- Wo die Geräte wirklich stehen, nicht wo sie theoretisch stehen könnten
- Ob ohnehin Elektroarbeiten anstehen, weil sich die Netzwerkleitung dann fast nebenbei mitverlegen lässt
Der letzte Punkt ist der wichtigste Kostenhebel. Wer eine Elektroinstallation sanieren oder einen Raum umbauen lässt, sollte die Netzwerkleitung im selben Zug mitnehmen. Getrennt beauftragt kostet dieselbe Leitung ein Vielfaches.
Netzwerk und Smart Home gehören zusammen gedacht
Wer über Netzwerktechnik nachdenkt, denkt meist schon einen Schritt weiter: Türsprechstelle mit Videobild, Heizungssteuerung, Wallbox mit Lastmanagement. All das braucht eine Grundlage, die stabil ist.
Für ein Smart Home im Altbau gilt derselbe Grundsatz wie für das Netzwerk: Was fest verkabelt ist, funktioniert dauerhaft. Was funkt, funktioniert meistens. Welcher Anteil sinnvoll ist, hängt an der Wohnung und daran, wie kritisch die jeweilige Funktion ist. Eine Lichtszene darf ausfallen, eine Türsprechstelle sollte es nicht.
Ein Punkt aus der Praxis, der oft vergessen wird: Wenn ohnehin Netzwerkleitungen verlegt werden, gehört auch ein Platz für die Technik dazu. Ein kleiner Verteiler mit Steckdose und Belüftung an zentraler Stelle erspart später den Router auf dem Wohnzimmerschrank samt Kabelsalat.
Was das kostet
Eine belastbare Zahl lässt sich seriös erst nach der Besichtigung nennen, weil der Aufwand fast vollständig am Leitungsweg hängt. Die Faktoren sind dieselben wie bei jeder Elektroarbeit im Bestand: Wie weit ist der Weg, muss gestemmt werden, ist die Wohnung bewohnt, und was hängt an Putz- und Malerarbeit dran.
Was wir sagen können: Der Unterschied zwischen “wird bei ohnehin offener Wand mitverlegt” und “wird nachträglich einzeln verlegt” ist erheblich. Wer eine Renovierung plant, sollte die Netzwerkfrage deshalb vorher stellen, nicht danach. Mehr zu den Kostenfaktoren bei Elektroarbeiten in München steht in unserem Beitrag Was kostet ein Elektriker in München.
Häufig gestellte Fragen
Lohnt sich LAN im Altbau noch, wenn WLAN so schnell geworden ist?
In bestimmten Fällen ja. Aktuelle WLAN-Standards sind schnell, aber ihre Leistung bricht mit jeder Massivwand ein und schwankt mit der Auslastung der Nachbarnetze. Ein Kabel liefert konstant. Für Arbeitsplätze im Homeoffice, fest stehende Geräte und die Anbindung von WLAN-Zugangspunkten ist es weiterhin die bessere Grundlage.
Welches Netzwerkkabel sollte ich verlegen lassen?
Für Neuinstallationen ist Cat 6A der sinnvolle Standard. Es ist für die absehbaren Bandbreiten ausreichend dimensioniert, und die Mehrkosten gegenüber schwächeren Kategorien fallen gegenüber dem Verlegeaufwand kaum ins Gewicht. Am Kabel zu sparen und dafür später neu zu ziehen, rechnet sich nie.
Kann ich Netzwerkkabel selbst verlegen?
Das Ziehen einer reinen Datenleitung ist keine Arbeit, die einer Elektrofachkraft vorbehalten ist. Sobald aber Wände geöffnet werden, die Leitung in der Nähe stromführender Leitungen verläuft oder Durchbrüche nötig sind, sollten Sie es machen lassen. Der Abstand zu Stromleitungen und die fachgerechte Auflegung an der Dose entscheiden darüber, ob die Leitung am Ende die Leistung bringt, für die sie ausgelegt ist.
Funktioniert Powerline in meinem Altbau?
Das lässt sich vorher nicht sicher sagen. Powerline überträgt zuverlässig vor allem innerhalb derselben Phase; in gewachsenen Altbau-Verteilungen ist das häufig nicht gegeben. Alte Leitungen und Störquellen drücken die Datenrate zusätzlich. Als Überbrückung für einen einzelnen Raum kann es funktionieren, als Grundlage für die ganze Wohnung empfehlen wir es nicht.
Wir renovieren ohnehin. Was sollten wir für das Netzwerk einplanen?
Nutzen Sie die offene Wand. Mindestens: eine Leitung in jeden Raum, in dem dauerhaft gearbeitet oder ferngesehen wird, plus Leitungen zu den Stellen, an denen später WLAN-Zugangspunkte sitzen sollen. Dazu ein zentraler Platz für die Technik mit Steckdose. Und wo nichts anderes geht: Leerrohre legen. Damit bleibt jede spätere Entscheidung offen, ohne noch einmal zu stemmen.